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Kann man Liebe lernen?

Auf Wikipedia findet man

Liebe (über mhd. liep, „Gutes, Angenehmes, Wertes“ von idg. *leubh- gern, lieb haben, begehren) ist im Allgemeinen die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung und Wertschätzung, die ein Mensch einem anderen entgegenzubringen in der Lage ist. Der Erwiderung bedarf sie nicht.

Die Liebe war schon Gegenstand unzähliger Gedichte, Lieder und philosophischer Betrachtungen. Es wurden Kriege um die und wegen der Liebe geführt und verschiedene Arten von Liebe unterschieden: die leidenschaftliche Liebe, die Liebe zu Familienangehörigen, die Vaterlandsliebe, die Liebe Gottes oder die Nächstenliebe. Ich habe im Laufe der vergangenen Jahre im Rahmen meiner Paarberatung viele Menschen gefragt: "Was ist Liebe für Dich?" und ich kann mich nicht erinnern, jemals zwei identische Antworten erhalten zu haben. Liebe ist also etwas sehr individuelles und für den Einzelnen alles andere als direkt greifbar oder definierbar.

Interessanterweise haben sogar Menschen, die aufgrund einer Persönlichkeitsstörung sehr große Probleme haben, überhaupt irgend jemanden oder irgend etwas zu lieben, einen Liebesbegriff, obwohl der überhaupt nicht mit der Bindung bzw. Bindungswilligkeit besetzt zu sein scheint, wie das für die meisten Menschen der Fall ist.

Für mich (sowohl privat als auch in meiner Arbeit) hat Liebe nicht in erster Linie damit zu tun, dass man sich zu etwas oder jemandem hingezogen fühlt. Rio Reiser spottete einst "Liebt der Papa sein Auto, liebt die Mama den Kaffee, liebt das Baby seine Windeln wie der Weihnachtsmann den Schnee, lieben Kinder Schokolade wie die Hausfrau den Herd oder ist da mehr? Oder ist das alles Lüge?" Liebe ist für mich im zwischenmenschlichen Miteinander in erster Linie etwas, was man TUN muss. Im Englischen gibt es den Satz "love is a VERB". Liebe muss man tun, Liebe muss man erfahrbar machen. Liebe ist in erster Linie für den Geliebten da, nicht für den Liebenden. Eine Liebe, die nicht spür bar und erfahrbar ist, ist für den Geliebten ein Muster ohne Wert.

Vor Jahren habe ich mir mit zusammen einer befreundeten Paartherapeutin die Frage gestellt: macht der Satz "ich liebe Dich!" überhaupt Sinn? Oder wäre es nicht viel ehrlicher zu fragen: "tue ich das Richtige, um Dich gut zu lieben? Fühlst Du Dich von mir gut geliebt?"

Ich habe selbst Jahrzehnte gebraucht, um einigermaßen lieben zu lernen und bin noch lange nicht so gut darin, wie ich eines Tages werden möchte. Mögen wir alle die Kraft finden, besser zu lieben.

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