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Sa 24.01.2015 15:01

Zehn Fragen an den Paartherapeuten

Die Auswahl eines Paartherapeuten ist ein heikler und schwieriger Prozess. A priori können Sie nicht mit Sicherheit sagen, wer Ihnen wirklich helfen kann, aber es gibt eine Reihe von Fragen, die Sie stellen können und stellen sollten, um herauszufinden, ob Sie mit dem Menschen, der vor Ihnen sitzt, zusammenarbeiten können. Da die wenigsten Menschen mehrere erfolglose Paartherapien durchhalten wollen, sollten Sie in der Auswahl sorgfältig sein.

Paartherapeut oder Paarberaterin ist kein geschützter Begriff, jeder kann sich so nennen, ohne überhaupt irgendeine Form der Erfahrung oder Ausbildung zu haben. Paartherapie ist kein Lehrfach in der universitäten Ausbildung und wenn Sie in einem Vorlesungsverzeichnis einer x-beliebigen Universität Ihrer Wahl nach "Sexualtherapie" suchen, bekommen Sie einen Eindruck davon, wie gut es um die Ausbildung von Psychiatern und psychologischen Psychotherapeuten auf diesem Gebiet bestellt ist.

Es gibt also kein Gütesiegel, kein Zeugnis und keine Garantie, dass der Mensch, der vor Ihnen sitzt, mehr über Liebe, Paardynamik und sexuelle Problemstellungen weiß als Sie selbst. Selbst eine "zertifizierte" (zertifiziert von wem?) Ausbildung an einem bestimmten Ausbildungsinstitut ist keine Garantie, da diese Ausbildungsinstitute die Ausbildungsnachweise herausgeben, weil sie dafür bezahlt werden und nicht, weil der Teilnehmer eine anspruchsvolle Prüfung bestanden hat. Die Inhalte dieser Fortbildungen sind ebenso wenig vorgeschrieben wie die Art, eine "erfolgreiche Teilnahme" zu bescheinigen. Das heißt: Selbst wenn jemand eine dreijährige Ausbildung zum psychoanalytischen Paartherapeuten hat, bedeutet das noch lange nicht, dass er wirklich weiß, was er da tut.

Wenn Sie sich auf nichts verlassen können, werden Sie vermutlich selbst herausfinden müssen, ob Ihnen der Paarberater bzw. die angesprochene Paartherapeutin weiterhelfen kann. Die folgenden zehn Fragen können Ihnen bei der Auswahl hilfreich sein:

  1. Bei wem haben Sie Paartherapie bzw. Sexualtherapie gelernt? Das ist die obligatorische Frage nach der Ausbildung. Wichtig ist auch, dass der Paarberater eine Heilerlaubnis für psychische Erkrankungen besitzt, denn nur so können Sie davon ausgehen, dass er oder sie ernste Erkrankungen oder eine Persönlichkeitsstörung erkennt und entsprechend handeln kann.
  2. Welchen Anteil hat die Paartherapie an Ihren Umsätzen? Wenn die Paartherapie oder Sexualtherapie nur einen untergeordneten Anteil an den Umsätzen der Praxis ausmacht, ist es unwahrscheinlich, dass viel in Fortbildung oder Literaturstudium investiert wird. Dann wird dieses Gebiet "mitgenommen", weil es nachgefragt wird, aber es stellt keinen Schwerpunkt dar.
  3. Wie sieht es mit der Terminverfügbarkeit aus? Sie sollten ausreichend Zeit zum Arbeiten haben. Das bedeutet, dass Sie sich erstens nicht mit der häufig praktizierten 60-Minuten-Sitzung abspeisen lassen sollten, die nach meiner Erfahrung zu kurz ist, um wirklich einen größeren Stein ins Rollen zu bringen und zweitens planbare Termine zu den Zeiten bekommen können, die ein konzentriertes Arbeiten erlauben.
  4. Was haben Sie über Paar- und Sexualtherapie veröffentlicht? Wenn Sie ein Buch des Paartherapeuten oder der Paarberaterin lesen, gewinnen Sie einen Eindruck davon, ob er/sie überhaupt eine Idee davon hat, wie die Dynamik in Ihrer Beziehung aussehen könnte. Wenn er/sie nichts zu diesem Thema publiziert, wäre die nächste Frage: weshalb nicht? Wenn zu ganz anderen Themen geschrieben wird, scheinen Partnerschaft, Liebe und Sexualität nicht im Vordergrund des Interesses zu stehen.
  5. Was war ihr größtes Scheitern? Ein Mensch, der niemals wirklich gescheitert ist, hat entweder eine narzisstische Störung oder kommt als Berater für Krisensituationen nicht in Betracht, weil er niemals mit Problemen konfrontiert war, die größer waren als er selbst. Authentische, erfahrene Berater sind schon öfter gescheitert als ihnen lieb ist.
  6. Welche persönliche Erfahrung bringen Sie ein? Ein Paarberater, der behauptet, seit Jahrzehnten eine glückliche Ehe zu führen ist entweder ein Lügner oder war niemals gezwungen, sich mit den realen Gegebenheiten echter Beziehungen auseinander zu setzen. Wie will Sie jemand in Problemen Ihrer Patchworkkonstellation beraten, wenn er selbst nie erlebt hat, wie schwierig es ist, ein fremdes Kind lieben zu lernen? Wie kann jemand Sexualtherapie praktizieren, wenn er niemals mit frustrierenden sexuellen Erlebnissen konfrontiert war (z.B. kein Orgasmus, vorzeitige Ejakulation etc.) und einen Weg finden musste, diesie zu überwinden? Die persönliche Erfahrung eines Therapeuten ist mindestens so wichtig (wahrscheinlich sogar wichtiger) für Ihr Problem wie eine gute Ausbildung.
  7. Wie lösen Sie Ihre Dilemmata auf? Wenn der Paartherapeut nicht erklären kann, welchen Mechanismus er selbst anwendet, um seine eigenen Dilemmata in seiner eigenen Beziehung aufzulösen, ist jede Zusammenarbeit verschwendete Zeit. Wenn jemand auf diese Frage keine überzeugende Antwort hat, versteht er nicht genug von zwischenmenschlichen Beziehungen.
  8. Was verstehen Sie unter Intimität? Probleme mit Intimität liegen mindestens zwei Dritteln aller Paarprobleme zugrunde. Lesen Sie mein Buch über die Psychologie der Intimität (wenigstens das dritte Kapitel) und testen Sie, ob der Paartherapeut auch nur den Funken einer Vorstellung hat, was Intimität bedeutet. Wenn nicht, wird er/sie nicht in der Lage sein, die grundlegenden Probleme mit Ihnen zu lösen.
  9. Wie entscheiden Sie, wer von uns beiden Recht hat? Einzig richtige Antwort: diese Frage ist Teil des Problems und kein Teil der Lösung.
  10. Bei welcher Antwort haben Sie gelogen? Haben Sie es mit einem authentischen Menschen zu tun?

Möge Ihnen diese Liste hilfreich sein, den richtigen Therapeuten für Ihre Liebe ausfindig zu machen. Mögen wir alle die Kraft finden, gut zu lieben.





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