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Mi 21.01.2015 16:16

Seitensprünge in der Paarbeziehung

Die Frage, wie mit Treue oder Untreue in der Partnerschaft umzugehen ist, beschäftigt viele meiner Paare, in der Regel erst, wenn die Affäre bereits aufgeflogen oder der Seitensprung passiert ist. Da Menschen mit dem Thema sehr unterschiedlich umgehen und pauschale Aussagen wie "ein Seitensprung schadet nicht" oder "eine Affäre ist das Ende einer Beziehung" nicht zutreffend sein können, setze ich mich mit der Frage auseinander, welche nachweisbaren Auswirkungen ein Seitensprung oder eine Affäre auf die Intimität in der konkreten, betrachteten Paarbeziehung hat. Diese Auswirkungen sind vollkommen unabhängig von moralischen Wertungen oder pauschalisierten Aussagen.

Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle gerne einen Überblick über die typischen Auswirkungen von Untreue auf das Intimitätsniveau in einer Beziehung geben. Sie können dann selbst entscheiden, welche dieser Auswirkungen auf Ihre Partnerschaft (wahrscheinlich) zutreffen und wie Sie damit umgehen wollen.

Einfluss von Misstrauen

Mehr als die Hälfte der "betrogenen" (in Anführungszeichen gesetzt, weil der Begriff eine moralische Wertung enthält, die eigentlich unangemessen ist) Männer und Frauen ahnen, dass ihr Partner bzw. ihre Partnerin eine Außenbeziehung pflegt. Die meisten dieser Vorahnungen führen dazu, dass die "Betrogenen" nach Hinweisen oder Beweisen suchen, die ihre Vorahnung untermauern könnten. Zu diesem Zwecke wird dann spioniert und nachgeforscht. Das offene Gespräch findet überraschend selten statt, dabei wäre es eigentlich geboten, um mit den Problemen in der Paarbeziehung konstruktiv umgehen zu können.

Preisfrage für alle Beteiligten: Wenn man nicht offen spricht, wenn gelogen und spioniert wird, wie wahrscheinlich ist es, dass diese fehlende Offenheit vom jeweils anderen Partner bemerkt wird? Zweite Preisfrage: Wenn die Antwort auf die erste Frage "ziemlich wahrscheinlich" lautet, welche Auswirkungen hat dann das resultierende "schlechte Gefühl" auf die Paarbeziehung? Rücken die beiden eher zusammen oder noch weiter auseinander?

Sobald Misstrauen im Spiel ist und auch nur einer der Beteiligten spürt, was da passiert, ist es entscheidend für das Paar, auch unangenehme Dinge offen anzusprechen und vor allem konstruktiv damit umzugehen. Das Problem ist, dass das niedrige Niveau an Intimität, das nicht selten ursächlich zum Seitensprung geführt hat, häufig einem offenen, authentischen Umgang mit dem Sachverhalt im Wege steht.

Ebenfalls mehr als die Hälfte der "betrogenen" Partner spionieren auch nach einer abgeschlossenen Affäre hinterher, weil das Misstrauen immer noch im Raum steht und es ihnen schwer fällt, mit der Vergangenheit abzuschließen. Der ausspionierte Partner bemerkt das nicht selten und fühlt sich kontrolliert. Diese schwierige Situation (einer hat Schwierigkeiten, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und der andere würde sie gerne abschließen) erfordert von beiden Beteiligten ein großes Maß an innerem Halt und Stärke.

Ursachen erkennen und beseitigen

Sehr selten finden Seitensprünge spontan und unüberlegt aus einer Bierlaune heraus statt, in der überwiegenden Mehrzahl lassen sich handfeste Gründe isolieren. Die Grundfähigkeit, eigene innere Gedanken und Gefühle respektvoll und konstruktiv zu äußern (was im Fachjargon "selbstbestätigte Intimität" heißt), ist die Grundvoraussetzung dafür, dass man über das, was einen aus der Beziehung hinaustreibt oder entfremdet, vernünftig und erwachsen sprechen kann. Nicht hilfreich ist es, den Partner mit ständigen Vorwürfen zu konfrontieren, weil ihn das zu Rückzug oder Gegenangriff verleitet. Nicht hilfreich ist es, einen konstruktiven Dialog über die offensichtlichen Probleme zu verweigern ("davon will ich nichts hören"). Nicht hilfreich ist es, die offensichtlichen Probleme unter den Teppich zu kehren, wo sie dann als Tretminen für die Zukunft schlummern. Die einzige Chance, sich als Team konstruktiv mit dem Thema zu beschäftigen, ist, über die grundsätzlichen Probleme, die den Seitensprung motivieren könnten oder motiviert haben, offen und authentisch zu sprechen und diese Probleme beherzt auszuräumen. Je länger die Probleme andauern, umso schwieriger wird es, sie zu beseitigen.

Selbstwert stabilisieren

Für beide Betroffenen wirkt sich eine Affäre oder ein Seitensprung destabilisierend auf den Selbstwert aus. Der "betrogene" Partner fühlt sich hintergangen und belogen und erlebt seine Ahnungs- und Machtlosigkeit. Machtlosigkeit, Zweifel an der Beziehung und am Partner, das Gefühl, der Andere habe sich gar nicht wirklich für einen entschieden, kratzen am Selbstwertgefühl der allermeisten Menschen. Die untreue Partner hat in den meisten Fällen ein schlechtes Gewissen, was seinen Selbstrespekt untergräbt und seinen Selbstwert gegenüber dem "treuen" Partner ins Wanken bringt. Es erfordert also von beiden ein gehöriges Maß an Fingerspitzengefühl und Fähigkeit zur Selbstberuhigung, um souverän mit dem Gefühl der Unterlegenheit umzugehen.

Fazit

Seitensprünge stellen in vielen Fällen eine große Herausforderung für eine Paarbeziehung dar, wenn wenigstens einer der Partner eigentlich von einer treuen, monogamen Beziehung ausgegangen war. Das Misstrauen vor dem Auffliegen einer heimlichen Affäre, das Misstrauen danach, der beschädigte Selbstrespekt des untreuen Partners, der mühsame Dialog, das Erarbeiten einer neuen Vertrauensbasis und die konstruktive Auseinandersetzung mit den Problemen, die die Affäre begünstigt oder verursacht haben. All dies erfordert eine Menge Besonnenheit, Stärke und Beharrlichkeit von den beiden Partnern.

Mögen wir alle die Kraft finden, gut zu lieben.





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